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Innovationen, die keiner kennt

  • vor 6 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Immer wieder war ich erstaunt, wenn ich hörte, dass große Unternehmen Ausgründungen vorgenommen haben, um Innovationen zu fördern. Oder das große Unternehmen die Gründung von Start Ups in Hochschulen und Universitäten sehr sehr großzügig unterstützen.

Das änderte sich erst, als ich den Satz: “Jede Innovation kämpft zuerst gegen eine alte Geschichte” von Ingrid Gerstbach gehört habe. Erst da war mir klar, ja, eine Ausgründung lässt auch einen großen Teil der Geschichten und Erzählungen im Mutterunternehmen zurück. Aber nicht alle Erzählungen. Also verspricht eine Unterstützung der Gründung von Start Ups weit weg vom großen Unternehmen noch mehr Erfolgsaussichten.


Foto von Matt Ridley auf Unsplash
Foto von Matt Ridley auf Unsplash

Doch warum sind echte Innovationen und echte Veränderungen in Unternehmen so schwer?

Warum gibt es überall Erzählungen, die echte Veränderungen ausbremsen. 


Ich denke jeder hat in seinem Berufsleben schon Sätze gehört wie: 


Das haben wir schon immer so gemacht.“

„Unsere Kunden wollen das nicht.“

„Das hat früher schon nicht funktioniert.“

„Dafür ist unser Markt zu konservativ.“

“So kann man das doch nicht machen.”


Jeder dieser Sätze schlägt eine Tür zu. Damit geht eine Idee verloren, bevor sie angesehen und gehört wurde. Aber warum ist das so?


Jede gute Gründung und jede gute Innovation beginnt mit einer guten Erzählung.

Die Gründungserzählung bremst die Weiterentwicklung.


Hier passiert etwas, das auf den ersten Blick paradox wirkt: Ausgerechnet die Unternehmen, die sich am meisten Innovation wünschen, blockieren sich selbst am hartnäckigsten. Nicht aus Dummheit, nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus einem sehr menschlichen Grund.

Jedes Unternehmen, das ein paar Jahre überlebt hat, trägt eine Erzählung in sich, darüber, wie man groß geworden ist, was funktioniert hat, worauf man sich verlassen kann, worauf man im Stillen sehr stolz ist. Diese Erzählung wird selten aufgeschrieben. Sie steckt in Sätzen, die im Alltag fallen, in Entscheidungen, die „natürlich" so getroffen werden, in einem Gefühl von „so sind wir eben". Es sind die Erzählungen, die unsere Identität beschreiben. 

Das Tückische daran: Diese Erzählungen sind richtig. Sie sind bewiesen. Sie funktionieren. Und genau deshalb fühlen sie sich sicherer an als jede neue Idee, die erst noch beweisen muss, dass sie funktioniert.

Zu wissen, dass man sich verändern sollte, passiert im rationalen, analytischen Teil des Denkens. Identität sitzt aber tiefer. Sie ist ein Gefühl, das Jahre oder Jahrzehnte bestätigt und gefestigt wurde. 


Warum bessere Argumente allein nicht reichen

Die naheliegende Reaktion vieler Unternehmer und Berater ist es mehr Daten, bessere Business-Pläne, überzeugendere Argumente zu entwickeln. Doch damit lässt sich das Problem nicht lösen, denn alle Zahlen verlieren, wenn es um unsere Identität geht.

Sie können noch so überzeugend belegen, dass ein neues Angebot Umsatz bringen würde. Wenn dieses Angebot der inneren Erzählung „Wir sind die Firma, die verlässlich das eine, bewährte Produkt liefert" widerspricht, wird es auf Widerstand treffen. Und dieser Widerstand ist meistens sehr kreativ.

Was tatsächlich wirkt, ist nicht die bessere Tabelle, sondern die bessere Erzählung. Eine Erzählung, die die bisherige Erzählung aufnimmt und sie weitererzählt. Und in dieser weiterführenden Erzählung sollten sich die Mitarbeiter des Unternehmens wieder finden. Denn dann verliert Veränderung ihren Schrecken.


Warum das von innen so schwer zu erkennen ist

Hier liegt die eigentliche Herausforderung: Die eigene blockierende Geschichte zu erkennen, während man mittendrin steckt, funktioniert nicht. Unsere eigenen Geschichten sind für uns selbst so selbstverständlich dass wir sie nicht als blockierende Gedanken identifizieren können. Sie ist ja gerade deshalb so wirksam, weil sie sich wie „die Realität" anfühlt. 

Genau hier setzt die Arbeit eines narrativen Organisationsberaters an. Anders als klassische Unternehmensberatung, die vor allem auf Prozesse, Kennzahlen und Strukturen schaut, richtet sich der Blick hier auf die Erzählungen, die im Unternehmen wirken, oft unbewusst, aber mit sehr realen Konsequenzen für Entscheidungen, Kultur und eben: für Innovationsfähigkeit.


Ein narrativer Berater hilft dabei,

  • die unausgesprochenen Geschichten sichtbar zu machen, die hinter „Das machen wir nicht" oder „Das passt nicht zu uns" stecken,

  • zu unterscheiden, was tatsächlich Erfahrung und Marktwissen ist und was reine, liebgewordene Gewohnheit,

  • eine neue Erzählung zu entwickeln, die nicht gegen die alte kämpft, sondern an sie anschließt,

  • diese neue Geschichte so zu formulieren, dass sie im Team, bei Kunden und nach außen trägt.

Das ist mehr als Kommunikationsarbeit. Es ist die Arbeit an dem unsichtbaren und viel zu oft ignorierten Betriebssystem, an der Identität.



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