Das digitale Handwerk zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Aktualisiert: Mai 19

Eine ganz subjektive Beobachtungen

Tischler bei der Arbeit

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, dennoch bemerke ich, dass einige Unternehmer versuchen sie zu ignorieren.


Es gibt einen „Stufenplan digitales Bauen und Planen“ vom Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Messen beschäftigen sich damit, wie noch effektiver gebaut werden kann und unzählige Blogbeiträge

.

Doch wie weit ist die Digitalisierung in Handwerksbetrieben wirklich fortgeschritten? Die kleinen Betriebe, welche oft nicht mehr als 2-5 Mitarbeiter haben, die gerufen werden, wenn die Heizung nicht funktioniert, ein Wasserschaden, den Alltag auf den Kopf stellt oder das Dach einen Sturmschaden abbekommen hat.


Wie viele Handkerker empfinden eine Exeltabelle, welche sie zur Kundenverwaltung, Rechnungslegung und für das Controlling benutzen als ausreichende Digitalisierung ihres Unternehmens?

Wie viele Handwerker ärgern sich darüber, dass Kunden immer selbstverständlicher eine Website fordern?



Dabei kann ein wenig Digitalisierung so wunderbar Zeit sparen.


Liest man die einschlägige Literatur, kann man davon ausgehen, dass die Digitalisierung in nahezu allen Unternehmen angekommen ist. Doch als ich die letzten 3 Handwerker, mit denen ich zu tun hatte, befragt habe, hat sich mir ein ganz anders Szenario geboten. Die Digitalisierung wird mehr als Last denn als Chance gesehen. Die Digitalisierung setzt ein Know-how voraus, welches nicht zum Kerngeschäft von kleinen Betrieben gehört/ passt. Und die Notwendigkeit sich damit auseinander zu setzen, wird zwar erkannt, aber auf „später“ verschoben. Und wir haben bestimmt schon alle die Erfahrung gemacht, dass aus solchen „später“(s) ganz schnell ein niemals wird.


Sparrenplan


Die Zahl der erwerbstätigen Handwerker geht zurück. Im Jahr 2017 waren es noch 5.491.000 Handwerker und im Jahr 2000 gab es 5.859.000 erwerbstätige Handwerker in Deutschland. Ich vermute, dass das Arbeitsvolumen nicht merklich weniger geworden ist. Das bedeutet, dass die Auftragsbücher übervoll sind. Eine Entlastung kann in meinen Augen nur eine Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitsprozesse, der Organisation und der Wissensvermittlung verschaffen.


Doch diese Möglichkeit wird von Handwerkern kaum wahrgenommen. Die von mir angesprochenen Handwerker reagieren nur auf den Druck der Kunden.

Neukundenakquise müssen gute Handwerker im Bau nicht betreiben. Durch Weiterempfehlungen kommen meist mehr Kunden auf die Handwerker zu, als die Handwerksunternehmen bedienen können. Mein Lieblingshandwerker ist da sicher keine Ausnahme. Dennoch hat er jetzt eine neue Website.


Ihm war es zunehmend peinlich seine Visitenkarte weiter zu geben. Er wußte, der neue Kunde wird sich, vor Auftragserteilung seine Website ansehen und die besteht nur aus einem Bauschild mit genau den gleichen Informationen wie seine Visitenkarte.

Der gesellschaftliche Druck hat ihn dazu bewegt, seine Website neu gestallten zu lassen. Er reagiert, er agiert nicht. Er sieht keinen wirklichen Vorteil in der Neugestaltung seiner Website und sein En­ga­ge­ment ist dementsprechend gering.


Doch der digital versierte Kunde stellt nicht nur an die digitale Unternehmensdarstellung neue Anforderungen, auch die Kommunikation und der Service sind von der geänderten Haltung der Kunden betroffen.

Und genau darin sehe ich eine große Chance für die Handwerker. Unsere wichtigste Ressource ist die Zeit. So kann eine Website einen großen Teil der Kommunikation übernehmen. Es können unter anderem folgende Punkte geklärt werden:


  • Fragen, welche häufig vorkommen, beantworten

  • Produktinformationen und Produktneuerungen anzeigen

  • Wissen vermitteln

  • Portfolio zeigen

  • Beratungstermine selbständig buchen lassen

  • Kontakt aufnehmen

  • Rezensionen und Erfahrungsberichte veröffentlichen

  • auf oft vorkommende Probleme hinweisen

  • DIY-Tipps geben


Dadurch, dass sich ein Kunde schon vorab ein Bild von dem Handwerker machen kann, der Handwerker ihm schon vor der ersten Begegnung bekannt ist, ist viel schneller eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich.


Bevor ein Unternehmer aber in den Genuss kommt durch eine Website Zeit einzusparen, muss erst einmal sehr viel Zeit investieren werden. Das für die Kunden relevante Wissen muß erfasst, strukturiert und aufgearbeitet werden, bevor es veröffentlicht werden kann. Unternehmer haben selten Übung darin Texte, Vorträge oder Videos zu erstellen.

Aber dieser Arbeitsschritt ist zwingend notwendig.


Die Geschichte „Das Schärfen der Säge“ kennen alle, oder? Ich erzähle sie hier noch einmal in aller Kürze:

Ein Waldarbeiter arbeitet fluchend und schwitzend neben einem großen Stapel Holz. Spaziergänger kommen vorbei, sehen ihm bei der Arbeit zu und geben ihm den Tipp doch mal seine Säge zu schärfen. Da ist der Waldarbeiter vollkommen entrüstet und entgegnet: „Die Säge schärfen, dafür habe ich doch gar keine Zeit. Sehen Sie nicht den großen Stapel Holz den ich noch abarbeiten muss?“



Holzstapel


Wenn ich mit meinen Kunden an ihrem Auftritt im Internet, also an ihrer Website und ihrer Präsens in den Sozialen Medien arbeite, reden wir natürlich auch darüber, diese Arbeiten mit möglichst geringem Aufwand zu erledigen und ganz schnell sind wir dann bei einem digitalisierten Büro, welches viele Vorteile mit sich bringt.


Es gibt keine pauschalen Erfolgskonzepte, oder das eine Tool, welches alle Probleme für alle löst. Jeder Unternehmer muss sich seine Geschäftsprozesse ganz individuell ansehen, um für sich und sein Unternehmen den besten Weg in die Digitalisierung zu finden. Wie sind die Unernehmensabläufe? Wie wird die Arbeit organisiert? Wie werden Dokumente abgelegt? Hier einen fachkundigen Coach zu haben, hilft ungemein.


Buchhaltung und die Verwaltung zu digitalisieren ist meistens ein sehr übersichtlicher Schritt. Er kann gut alleine bewältigt werden.

Mit einem guten Dokumentenmanagementsystem stehen alle Lieferscheine, Bestellungen, Reklamationen, Verträge und Rechnungen orts- und zeitunabhängig zur Verfügung. Und mit guten Vorlagen lassen sich Angebote und Rechnungen schnell und einfach erstellen und per eMail sofort versenden.

Ich finde sevDesk (https://sevdesk.de) wunderbar. Es ist eine Buchhaltungssoftware, die auch eine mobile Version hat, leicht zu bedienen ist und die meisten Dokumente bewahrt und miteinander kombinieren kann.

Am besten ihr fragt hier euren Steuerberater mit welchen Programmen er und seine anderen Kunden die besten Erfahrungen gemacht haben. Bestimmt kann er euch helfen.


Egal ob in einem Handwerksbetrieb alle Büroarbeit vom Meister erledigt wird, oder ob er sich Hilfe leistet, in einem digitalen Büro steigt die Arbeitsgeschwindigkeit schon nach kürzester Zeit. (Also nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten.)


Die Deutsche Social Collaboration Studie 2017 zeigt, dass die Collaboration Tools die Arbeitseffizienz deutlich, je nach Arbeitsfeld um 16,6 bis 41,7 Prozent steigern.

3 solcher Tools, welche die Zusammenarbeit fördern und erleichtern und die ich ausprobiert habe, sind Asana ,Trello und googledocs. Sie machen eine Kommunikation und Arbeitsorganisation möglich, die sehr transparent ist und niemanden in seinem Arbeitsfluss unterbricht.


Es lohnt sich diese Tools mal auszuprobierenden.


Asana (https://asana.com/de#close):

Aufgaben können in einer Zeitleiste organisiert werden oder auf einem Bord, wie es passt. Kommentare und Dateien speichern geht genauso leicht wie das Chatten. Keine Informationen gehen verloren und ständig eMails weiterleiten, ist auch nicht mehr nötig.


Trello (https://trello.com/tour):

Für verschiedenen Bereiche kann man Karten anlegen und darauf Notizen, Checklisten, Dateien, Erinnerungen festhalten. Diese Karten werden in übersichtlichen Bords zusammengefasst und dargestellt. Somit lassen sich Projekte ganz einfach organisieren. Einzelne Bords können für Teammitglieder frei gegeben werden. Kommentare und Dokumente können angehängt werden, Termine festgehalten und in einem Kalender angezeigt werden.


Google Docs

Wer eh viel mit den Produkten von Google arbeitet, sollte sich Google Docs und Notes mal ansehen. Mit Google Docs kann man Texte, Tabellen und Präsentationen gemeinsam bearbeiten. Egal ob am Rechner oder am smartfon.


Mit Google Notes kann man Notizen alle Art sammeln: Geschriebenes, Fotografiertes oder Gesprochenes, nichts geht mehr verloren. Selbst das Diktieren von Texten ist mit diesem Tool kein Problem mehr. Die Spracherkennung ist sehr gut und so können auch Schreibmuffel wunderbar unkompliziert Texte verfassen.


Hast du Fragen zum Thema, dann schreibe mir gern unter christina@christina-grunert.de oder buche ein, für dich kostenloses Strategie-Gespräch.


Wie weit ist dein Unternehmen digitalisiert? Was willst du in der nächsten Zeit ausbauen bzw. austesten? Welche Tools erleichtern dir das Leben?