Selbstoptimierung - JA - NEIN - Vielleicht?
- vor 6 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Brauchst du mehr Selbstoptimierung?
Die Regale der Buchhandlungen sind voll davon: Produktivitätssysteme, Morgenroutinen, Zeitmanagement-Methoden, Biohacking, Erfolgsstrategien und Selbstoptimierungsprogramme.
Fast alle versprechen dasselbe:
Werde effizienter. Produktiver. Erfolgreicher.
Doch ist das wirklich immer das richtige Ziel?
Der Ansatz der mich begeistert
Simon Sinek setzt mit seinem Ansatz "Finde dein Warum" an einer vollkommen anderen Stelle an und stellt eine grundlegend andere Frage:
Wofür tue ich das überhaupt?
Auf den ersten Blick wirkt diese Frage philosophisch und manchmal sogar naiv. In der Praxis kann sie jedoch einen entscheidenden Unterschied machen: für Motivation, Karriere, Entscheidungen und nicht zuletzt für die eigene mentale Gesundheit.
Auch Simon Sinek verspricht mehr Erfolg. Doch der von ihm entwickelte Ansatz des “Finde dein Warum” setzt deutlich früher an. Er interessiert sich nicht primär für die Frage nach der Effizienz menschlichen Handelns, sondern für dessen Sinn und innere Ausrichtung. Statt nach Methoden zur Leistungssteigerung zu suchen, fordert er dazu auf, die eigene Motivation zu erforschen:
Wofür tue ich das überhaupt?
Diese Verschiebung des Blickwinkels mag zunächst wie eine philosophische Feinheit erscheinen. Tatsächlich berührt sie jedoch einen fundamentalen Unterschied. Selbstoptimierung beschäftigt sich überwiegend mit dem Verhalten eines Menschen. Die Arbeit am „Warum“ richtet sich dagegen auf seine Identität.
Das Verhalten kann ich beobachten, messen, bewerten. Die Identität ist ein Gefühl, welches unsere Handlungen beeinflusst. Und Gefühle verunsichern uns ja gerne, gerade, die wir in einer eher intellektualisieren Welt leben.
Viele klassische Optimierungsansätze konzentrieren sich auf Techniken. Verhaltenssteuerung. Zeitmanagementsysteme, Morgenroutinen, Gewohnheitsbildung oder Produktivitätsmethoden sollen dabei helfen, gesetzte Ziele effizienter zu erreichen und das Erreichen der Ziele auch sehr genau zu messen. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Solche Werkzeuge können außerordentlich nützlich sein und haben ihren festen Platz in der persönlichen Entwicklung.
Leistungssteigerung ohne Richtung
Problematisch wird es allerdings dann, wenn die Frage nach dem Ziel selbst viel zu oberflächlich beantwortet wird. Wer seine Leistungsfähigkeit steigert, ohne seine Richtung zu reflektieren, läuft Gefahr, immer schneller auf ein Ziel zuzusteuern, dessen Bedeutung für das eigene Leben nicht wirklich von Bedeutung ist.
Die Folge ist ein Phänomen, das sich in vielen beruflichen Karrieren beobachten lässt: Menschen erreichen Positionen, Einkommensstufen oder Statussymbole, die sie lange angestrebt haben und empfinden, am Ziel angekommen, eine unheimliche Leere, gefolgt von einer tiefen Frustration.
Eine andere Personengruppe, sieht sich in einem Borne Out gefangen und braucht viel Zeit und Geduld, um sich wieder zu befreien.
Aus psychologischer Perspektive überrascht das kaum. Ziele und Belohnungen erzeugen häufig eine zeitlich begrenzte Motivation. Sie entfalten ihre größte Wirkung auf dem Weg zu ihrer Erreichung. Ist das Ziel erreicht, verliert es seine Kraft.
Richtung statt Ziel
Sinn hingegen besitzt eine andere Qualität. Er ist nicht an einen bestimmten Endpunkt gebunden, sondern wirkt als dauerhafte Orientierungsgröße. Und das schöne an dieser Orientierungsgröße ist, dass viele unterschiedliche Ziele einem einzigen Sinn zugeordnet werden können.
Genau an diesem Punkt setzt Simon Sineks Argumentation an. In seinem bekannten Modell des „Golden Circle“ steht das Warum im Zentrum. Es beschreibt nicht, was jemand tut oder wie er es tut, sondern welche Überzeugung oder welchen tieferen Zweck sein Handeln trägt. Menschen und Organisationen, die ihr Handeln aus einem solchen Sinnzusammenhang heraus verstehen, entwickeln eine Form der Motivation, die über kurzfristige Zielerreichung hinausgeht und sie sind in Kriesen und Veränderungsprozessen viel anpassungsfähiger.
Ob man dieser Theorie in allen Punkten folgt oder nicht, ihre praktische Relevanz ist kaum zu übersehen. Wer ein klares Verständnis seiner grundlegenden Motive besitzt, verfügt über einen stabilen Bezugsrahmen für Entscheidungen. Prioritäten lassen sich leichter setzen, weil sie nicht allein von äußeren Erwartungen abhängen. Ebenso fällt es leichter, auf attraktive Möglichkeiten zu verzichten, wenn diese nicht mit den eigenen Werten oder Zielen übereinstimmen.
Wann immer Menschen zu mir kommen, um mit meiner Unterstützung ihr Warum frei zu legen, befinden sie sich in einer Unzufriedenheit, die nichts mir ihren Zielen zu tun hat. Meistens sind es Menschen, die sehr leistungsorientiert sind. Sie haben schon viele super viele Ziele erreicht und spüren trotzdem innere Widersprüche. Diesen inneren Widersprüchen wollen sie auf den Grund gehen, um sie auflösen zu können und so viel mehr bei sich zu bleiben.
Wann bin ich erfolgreich?
Die moderne Arbeitswelt bietet zahlreiche Möglichkeiten, erfolgreich zu sein. Und sie bietet noch mehr Möglichkeiten, Erfolg zu definieren. Aber sie bietet kaum Orientierung bei der Frage, welche Form von Erfolg für einen selbst überhaupt erstrebenswert ist.
In den letzten Jahren wurde immer wieder deutlich, dass Menschen mit einer klaren Sinnorientierung häufig wesentlich resilienter in Krisen reagieren. Wir leben in einer Zeit stetiger Veränderung. Wer seine Motivation ausschließlich aus Ergebnissen bezieht, gerät in Schwierigkeiten, sobald diese Ergebnisse ausbleiben.
Rückschläge, Kritik oder unerwartete Veränderungen können dann die gesamte Grundlage des eigenen Selbstverständnisses erschüttern. Wer dagegen in einem tieferliegenden Sinnzusammenhang handelt, verfügt über einen größeren Interpretationsrahmen. Einzelne Niederlagen verlieren an Bedeutung, weil sie nicht den eigentlichen Zweck des Handelns infrage stellen.
Das bedeutet keineswegs, dass ein persönliches „Warum“ Arbeit oder Kompetenz ersetzen könnte. Sinn allein schafft weder Fachwissen noch wirtschaftlichen Erfolg.
Sinn erleichtert es gute Entscheidungen zu treffen und in die Umsetzung zu kommen. Ein überzeugendes Warum ist ein wesentliches Puzzleteil auf dem Weg zum Erfolg.
Denn seine Stärke liegt darin, Orientierung zu schaffen. Es beantwortet die Frage, welches Ziel überhaupt verfolgt werden sollte, weil schon der Weg zum Ziel ein Gefühl von Erfüllung verspricht.
Die Arbeit am Warum ergänzt klassische Selbstoptimierung
Die eigentliche Schwäche vieler Optimierungsansätze besteht nämlich nicht darin, dass sie falsche Werkzeuge bereitstellen. Ihr Problem liegt häufig darin, dass sie die Richtung als gegeben voraussetzen. Sie helfen Menschen dabei, effizienter zu werden, ohne zu hinterfragen, ob die gewählte Richtung tatsächlich ihren Überzeugungen, Werten und langfristigen Interessen entspricht.
Für analytisch denkende Menschen liegt hier der größte Wert des Finde dein Warum-Ansatzes. Er bietet keine weitere Methode zur Leistungssteigerung, sondern fordert zu einer grundlegenderen Form der Reflexion auf. Die zentrale Frage lautet nicht, wie man mehr erreicht. Sie lautet, was überhaupt erreicht werden soll und weshalb.
Denn Produktivität ist letztlich nur dann ein Gewinn, wenn sie in den Dienst eines sinnvollen Ziels gestellt wird. Andernfalls bleibt sie die Kunst, immer effizienter das Falsche zu tun.
Spürst du diese kleinen feinen inneren Wiederstände, dann nimm dir die Zeit und schau dir dein Warum ganz genau an. Gern unterstütze ich dich dabei. Lass uns reden




Kommentare